Interview, SWB

Interview mit H. Dieter Neumann

Liebe Bücherfreunde,

bei der Weihnachtsverlosung hatte ich die Aufgabe gestellt:
Was würdet Ihr Autoren gerne einmal fragen?

Dabei sind viele Fragen zusammen gekommen, die ich auch persönlich sehr interessant fand. Durch den SWB-Verlag habe ich mit einigen Autoren Kontakt, also dachte ich, ich leite Eure Fragen (und natürlich auch meine eigenen) an die Autoren weiter. Daraus soll eine kleine Interview-Reihe entstehen.

Den Anfang macht H. Dieter Neumann. Einer der Teilnehmer der Verlosung hatte an ihn auch direkt Fragen, die ich natürlich mit aufgenommen habe.

Der Autor H. Dieter Neumann:
Er war Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr. Anschließend wurde er Vertriebsleiter und Geschäftsführer in der Versicherungswirtschaft, bevor er sich ganz aufs Schreiben verlegte. Der passionierte Segler lebt in Flensburg. Bisher sind 2 Bücher von ihm im swb-Verlag erschienen: Die politischen Thriller Die Narben der Hölle und Das Erbe der Wölfin.

Die Presse sagt über ihn:
Professionell geschriebene ambitionierte Spannungsliteratur!
(Michael Radtke, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag)
Es ist Neumanns Verdienst, dem politischen Thriller neue Perspektiven zu verleihen.
(
literaturkritik.de)

Er selbst sagt über sich:
Meine Passion ist der literarische Thriller, die Geschichte hinter der Geschichte, der brisante, bisweilen schmerzhaft aktuelle Roman. Ich will aufrühren mit anspruchsvollen, aber immer vor allem spannenden Büchern. Der Mainstream interessiert mich nicht. Dafür bin ich zu alt geworden.

Nun zum Interview.

Was war das erste Buch, das Sie als Kind gelesen haben? (Frage von Serpina)

Ich weiß es nicht mehr. Wird wohl ein Bilderbuch mit einfachem Text gewesen sein. Das erste „richtige“ Buch, von dem ich mich erinnere, es mit Begeisterung gelesen zu haben, war „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? (Frage von Serpina)

Ich habe schon immer Gedichte und kleine Geschichten geschrieben, aber auch drei Romane, diese jedoch nur zum Vergnügen und für meine Schublade. Mit Büchern an die Öffentlichkeit zu gehen, war ein Wunsch, der erst langsam gewachsen ist und den ich mir wegen der Notwendigkeit, mit einem „Brotberuf“ die Familie zu ernähren, erst mit dem 60. Lebensjahr erfüllen konnte.

Gibt es ein Thema über das Sie gar nicht schreiben würden? (Frage von Anna)

Da schließe ich gar nichts aus, außer Themen, die mich selbst überhaupt nicht berühren.

Woher nehmen Sie ihre tollen Ideen und wie gelingt es ihnen weiter zu machen, wenn Zweifel aufkommen? (Frage von Ann-Kristin)

Danke für die „tollen Ideen“! Sie liegen, finde ich, alle auf der Hand, man muss nur mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Immer wieder stoße ich in den Nachrichten oder durch Gespräche auf Themen, von denen ich mir sage: Daraus solltest du eine spannende Geschichte machen, damit sich möglichst viele Leute dafür interessieren.
Zweifel an der eigenen Arbeit hat jeder mal, denke ich. Und mit denen beim Schreiben ist es so wie bei allem, was man tut: Man kämpft sie mit sich aus, wägt ab, trinkt ein Glas Rotwein und beißt sich durch. Wenn die Zweifel berechtigt erscheinen, muss man den Mut haben, Veränderungen am Text vorzunehmen oder gar ganze Passagen (einmal waren es bei mir 143 Normseiten) in die Tonne zu drücken. Das tut weh, aber anders geht es nicht, denn Zweifel sind Kreativitätskiller.

Christoph J. hatte direkte Fragen an H. Dieter Neumann, die ich hier weitergegeben habe:

Wie wichtig sind tatsächliche Erfahrungen für Ihr Schreiben?

Wenn es um Erfahrungen mit dem Thema geht, über das ich schreibe, so gilt hier, dass ich nicht alles selbst erfahren haben muss. Das geht auch gar nicht bei fiktionaler Literatur. Dafür kommt es allerdings auf sehr sorgfältige Recherchen an.
Wichtiger ist aber die Lebenserfahrung. Ich bin sicher, dass ich die Tiefe, die ich z. B. bei Charakterzeichnungen anstrebe, mit Dreißig noch nicht hätte bringen können.

Suchen Sie bewusst „besondere“ Erfahrungen, um sie beim Schreiben verwenden zu können?

Nein, ich suche zunächst in meinem Arbeitszimmer nach Pfeifen und Tabak und dann in meinem Hirn nach Ideen und Formulierungen. „Besondere Erfahrungen“ sind mir zu gefährlich – und zu anstrengend.

Wie schafft man es, dass der Leser eine erfundene Geschichte „authentisch“ findet?

Indem man gut schreibt, und gut heißt eben in diesem Falle authentisch. Das kann man lernen, es ist ein Handwerk wie viele andere auch.

Welches ist Ihr Lieblingswerkzeug, um Spannung zu erzeugen?

Erstens widersprüchliche Charaktere, die Rätsel aufgeben, und zweitens der gute alte Cliffhanger.

Und nun noch Fragen, die mich persönlich interessieren:

Wie entsteht aus einer Idee ein ganzes Buch? Hast Du die Geschichte bis zum Ende schon im Kopf, also eine Art Fahrplan? Oder schreibst Du drauflos, und die Geschichte entwickelt sich nach und nach?

Ich schreibe erst los, wenn ich ein relativ ausführliches Exposé für mich selbst erstellt habe. Das hat nur wenig gemein mit dem Exposé für die Literaturagentur oder den Verlag (das ich natürlich auch vorlege), sondern ist ein ziemlich wirres Konglomerat aus Plotideen, Textbausteinen und Charakterzeichnungen von Personen der Handlung. Dieses sehr private Dokument hat ziemlich viele Seiten, wird ständig verändert und ergänzt, auch noch während des Schreibens. Außer mir selbst könnte kaum jemand etwas mit den Satzfragmenten, Ideenskizzen, Namen und Abkürzungen anfangen, aber es ist sozusagen mein „Gerüst“, an das ich mich aber auch nicht sklavisch halte. Vieles, was da drin steht, kommt im Buch gar nicht zum Tragen. Anderes entsteht direkt beim Schreiben, ohne in diesem „Gerüst“ enthalten zu sein.

Wie entwickelst Du die Charaktere? Schreibst Du Dir auf, wie sie aussehen, was für einen Charakter sie haben, wie sie sich im Laufe des Buches entwickeln? Legst Du das schon am Anfang fest?

Siehe meine obige Antwort. Nur eines noch zu der Entwicklung der Charaktere: Es ist das größte Glück für den Autor, wenn die Personen, die er erfunden hat, während des Schreibens lebendig werden, einen eigenen Willen entwickeln und manchmal gar Dinge tun wollen, die man ihnen gar nicht zugedacht hatte. Da braucht man dann nur noch „hinterherzuschreiben“, muss aber aufpassen, dass sie einem nicht die ganze Geschichte kaputtmachen …

Vielen Dank, lieber H. Dieter Neumann, für das Interview und viel Erfolg fürs nächstes Buch, dass ja schon in Planung ist und Die Rache der Väter heißen wird.

Übrigens, alle, die mehr über H. Dieter Neumann und seine Buchprojekte wissen wollen, sind herzlich eingeladen, seine Webseite zu besuchen: www.heinrichdieterneumann-scriptorium.de
Dort findet Ihr auch Termine zu Lesungen, Presseberichte und Rezensionen zu seinen Büchern.

Liebe Bücherfreunde, lasst mich wissen, wie Ihr die Idee der Interview-Reihe findet! Habt Ihr andere Fragen? Immer her damit, ich binde sie gerne in ein nächstes Interview ein.

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